Ich darf so sein, wie ich bin.

Ich darf so sein, wie ich bin

Es begann früh in meinem Leben,

dass ich spürte:

Ich werde nicht ganz angenommen.

Ich trug Kleidung vom Roten Kreuz

und freute mich über jedes Paar neue Schuhe

von meiner Oma,

als wären es kleine Wunder.

Meine Haare wurden geschnitten, wie es anderen gefiel.

Ich hatte zu funktionieren.

Nicht zu laut sein.

Nicht widersprechen.

Nicht klagen.

Arbeiten statt ausruhen.

Ausruhen durfte ich nur im Krankenhaus –

zwischen Schmerzen und fremden Wänden,

aber in einem Bett, das weich war.

Ein Bett, das ich vermisste, wenn ich wieder nach Hause kam.

Dort warteten Verantwortung,

Geschwister, Haushalt, Arbeit.

Mit zwölf begann ich zu arbeiten.

Abend, wenn alle schliefen,

machte ich meine Schularbeiten.

Auch in Kindergarten, Schule, Kirche, war ich anders.

Außenseiterin.

Wo fühlte ich mich zuhause?

Bei Tieren.

Bei kleinen Kindern.

Bei alten Menschen.

In der Musik.

Im Schreiben.

Im Malen.

Dort vergaß ich alles.

Dort war ich frei.

Wie Pippi Langstrumpf –

in meiner eigenen Welt.

Dann kam der Moment,

als mein Herz zum ersten Mal

wirklich berührt wurde:

2002,

als ich das erste Mal Mutter wurde.

Da verstand ich,

was Liebe ist.

Nicht Perfektion.

Sondern Dasein.

In den letzten Wochen

kam viele wieder hoch.

Alte Stimmen. Alte Sätze.

Und ich fragte mich:

Wie lange noch?

Ich wollte doch endlich

nur nach vorne schauen.

Und dann geschah wieder etwas Neues.

Mein Hausarzt sagte zu mir,

ich sei kein Mensch zweiter Klasse.

Nicht wegen meiner Krankheit.

Nicht wegen meiner Rente.

Ich sei richtig.

Mit meinen Gaben.

Ja und dann die Kirchengemeinde, wo ich jetzt seit einem Jahr Gast bin,

in der ich sein darf, wie ich bin.

Ohne Angst, nicht zu passen.

Ohne mich nicht zu verbiegen.

Wenn es mir nicht gut geht,

darf ich zuhause bleiben.

Wenn ich da bin,

darf ich echt sein.

Und ja,

manchmal ist die Angst noch da:

Was passiert, wenn ich mich wirklich zeige?

Doch ich merke:

Ich bin angekommen.

Ich muss nicht sein wie die anderen.

Ich darf ich sein.

Und es wird immer Menschen geben,

die helfen, dass ich wachse und blühe.

Die das Dunkle leiser werden lassen.

Darum möchte ich auch heute dir sagen:

Es ist so schön, dass du da bist.

Es ist alles in Ordnung mit dir.

Du bist wertvoll.

Du bist liebenswert.

Und du darfst sein,

wie du bist.

@Maria Weisse

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