Vergebung – Versöhnung
In meinen ersten Lebensjahren habe ich gelernt,
dass Vergebung bedeutet, alles still zu ertragen.
Ohne Widerstand. Ohne Fragen.
So sollte ich „wie Jesus“ werden.
Unrecht durfte nicht ausgesprochen werden.
Alles wurde unter den Teppich gekehrt.
Nach außen war ich das brave, angepasste, ruhige Mädchen.
Doch mein Körper zeigte schon früh, dass etwas nicht stimmt.
Ich war oft krank, oft im Krankenhaus.
Als ich auszog, wurde der Druck noch größer.
Es galt weiterhin: „Wir tun so, als wäre alles in Ordnung.“
Ich habe viele Jahre versucht, das mitzutragen –
auch, weil ich mir wünschte,
dass meine Kinder Großeltern erleben dürfen.
Doch meine Kinder haben gesehen,
wo wir nicht wirklich geliebt und willkommen sind.
Und sie haben mir die Augen geöffnet.
Irgendwann konnte ich nicht mehr.
Nach mehreren Klinikaufenthalten hatte ich ein Gespräch
mit einem evangelischen Pastor.
Seine Worte haben etwas in mir verändert:
- Vergebung bedeutet nicht, Unrecht gutzuheißen.
- Vergebung heißt, den Schmerz immer wieder loszulassen
und keine Rache zu üben.
So wie Jesus am Kreuz sagte:
„Vater, vergib ihnen…“
Aber Versöhnung ist etwas anderes.
Zur Versöhnung gehören zwei.
Ehrlichkeit.
Aufarbeitung.
Einsicht.
Ich habe immer wieder versucht, Gespräche zu führen –
mit meiner Familie und auch in der Kirche.
In der Hoffnung, neu anfangen zu können.
Doch ich musste lernen:
Wenn nur eine Seite bereit ist,
kann Versöhnung nicht entstehen.
Der schwerste Schritt war für mich,
nicht mehr hinterherzulaufen.
Denn wo keine Einsicht ist,
werde ich weiterhin nicht gut behandelt.
Mein Fazit:
Vergebung ist möglich.
Versöhnung nicht immer.
Und sie kann nicht erzwungen werden.
Man kann nur mit offenem Herzen loslassen
und den Rest Gott überlassen.
@Maria Weisse



