Wahrheit
Ich habe lange nach der einen Wahrheit gesucht.
Dabei ist mir aufgefallen, dass es unzählige Religionsgemeinschaften gibt —
und doch ähneln sich viele Aussagen:
„Hier ist die Wahrheit.“
„Wir können es mit der Bibel beweisen.“
„Wir sind die Auserwählten.“
„Alle anderen sind verloren.“
Dann werden Bibelstellen genutzt, um genau das zu bestätigen.
Die Neuapostolische Kirche sagt, sie sei die wahre Kirche, weil sie lebende Apostel hat.
Die Katholische Kirche ist überzeugt, dass der Papst der Nachfolger Jesu ist.
Die Adventgemeinde glaubt, dass sie richtig liegt, weil sie den Sabbat hält.
Und genau das hat in mir lange Chaos ausgelöst.
Ich war verwirrt.
Denn jedes Mal, wenn ich eine Gemeinschaft besuchte, brachte ich mich voll ein und glaubte:
„Jetzt bin ich endlich richtig.“
Heute weiß ich:
Selbst meine Krankheiten und meine schwere Vergangenheit wurden am Ende zu einem Segen.
Denn wäre ich gesund gewesen, hätte ich eine liebevolle Kindheit gehabt und nie gelernt zu hinterfragen, wäre ich wahrscheinlich bis heute in der Neuapostolischen Kirche geblieben — ohne alles zu prüfen.
Was hat mein Denken verändert?
Kurz gesagt: Jesus.
Schon als Kind hatte ich innerlich Schwierigkeiten mit Aussagen wie:„Nur wir sind Gottes Kinder. Alle anderen sind verloren.“
Denn ich durfte außerhalb dieser Gemeinschaft Menschen erleben, die mir etwas gaben, das mir selbst fehlte:
Liebe. Geborgenheit. Annahme.
Nicht nur in Worten — sondern durch Taten.
Mit 18 musste ich zum Apostel.
Ich war damals sogar hoffnungsvoll und dachte, jetzt würde man mir die Bibel erklären.
Doch stattdessen wurde mir gesagt, dass der sexuelle, körperliche und psychische Missbrauch, den ich erlebt hatte, durch das Abendmahl vergeben sei.
Ich solle mit niemandem darüber reden.
Wenn ich es doch täte, würde ewige Verdammnis auf mich warten.
Nach meinem ersten Aufenthalt in der Psychiatrie wurde mir gesagt, dass mir das Abendmahl nicht mehr zustehe, weil Suizidversuche nicht vergeben würden.
Als ich mich später vom Vater meiner Kinder trennte — einem alkohol- und spielsüchtigen Diakon — wurde mir die Schuld dafür gegeben.
Da es immer heißt, die Kirche habe sich verändert, machte ich dieses Jahr nochmals einen mutigen Schritt.
Ich nahm Kontakt zur Kirchenverwaltung und zum Apostel auf.
Doch ich wurde erneut enttäuscht.
Keine Hilfe.
Kein Schuldeingeständnis.
Keine echte Aufarbeitung.
Stattdessen weiterhin die Überzeugung, dass alles richtig gewesen sei.
In den letzten Jahren begann ich, die Bibel selbst vollständig zu lesen — nicht nur einzelne Verse, sondern ganze Kapitel im Zusammenhang.
Und dabei kam ich zu einem klaren Ergebnis:
Jesus sagte:„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“
Er sagte nicht:-
„Tritt der richtigen Kirche bei.“-
„Erfülle alle Regeln.“-
„Du musst perfekt funktionieren.“-
„Du musst alles wissen.“
Nein.
Jesus sprach von Liebe.
Die Liebe soll das Zeichen sein, an dem man uns erkennt.
Und Liebe zeigt sich ganz praktisch:
Wie wir mit anderen umgehen.
Wie wir mit uns selbst umgehen.
Wie wir handeln, wenn niemand zusieht.
Religion kann hilfreich sein.
Aber sie darf niemals wichtiger werden als Jesus selbst.
Denn retten kann nicht eine Institution, nicht ein Amt und nicht eine bestimmte Glaubensgemeinschaft.
Retten kann nur Jesus.
Und deshalb glaube ich heute:
Jeder Mensch darf selbst prüfen, hinterfragen und entscheiden, welchen Weg er geht.
Denn Jesus war, ist und bleibt derselbe — in Ewigkeit.
@Maria Weisse



