Therapie – ein langer Weg zurück ins Leben
Mit 18 Jahren kam ich 1993 zum ersten Mal in eine psychosomatische Klinik.
Der Druck von Familie und Kirche war groß:
„Rede nicht darüber.“
Und ich gehorchte.
2006, während einer Mutter-Kind-Kur, ließ eine Psychologin nicht locker.
Zum ersten Mal begann ich vorsichtig zu reden.
Dann kamen die Flashbacks.
Mit voller Wucht.
Ich dachte, ich würde es nicht aushalten.
Es folgte mein erster Aufenthalt in der Psychiatrie.
Dort lag eine Gideon-Bibel.
Und ich traf eine Entscheidung:
Ich will leben.
Trotzdem schwieg ich noch viele Jahre.
Mehrere Klinikaufenthalte.
Mehrere Therapieversuche.
Doch die Angst zu reden war größer.
2009 kam ich mit meinen Kindern ins Frauenhaus und anschließend in eine Traumaklinik.
Dort erhielt ich die Diagnose:
Posttraumatische Belastungsstörung.
Ich widersprach.
Ich dachte, so etwas hätten nur Menschen erlebt, die im Krieg waren.
Doch langsam begann ich mich zu öffnen.
Meine Erinnerungen an die ersten 18 Lebensjahre waren größtenteils verschwunden.
Meine Kinder wurden liebevoll in die Therapie eingebunden.
Danach dachte ich wieder:
Ich schaffe das alleine.
Doch das Leben hatte andere Pläne.
2010 kam der nächste Schock:
Mir wurde gesagt, dass ich aufgrund meiner Erkrankungen nicht mehr arbeiten kann.
Dauerhafte Erwerbsminderungsrente.
Ich brach zusammen.
Doch genau dort begann auch Heilung.
Im Laufe der Jahre lernte ich:
– Ich bin nicht verrückt. Verrückt ist das, was ich erlebt habe.
– Es ist ein Wunder, dass ich noch lebe.
– Schweigen heilt nicht. Schweigen ist ein langsames Sterben.
– Ich darf reden.
– Ich darf Hilfe annehmen.
– Ich darf meine Identität entdecken.
– Ich muss nicht funktionieren wie andere.
– Ich bin nicht nur psychisch, sondern auch körperlich krank.
Jesus nimmt auch mich an.
2026 endet meine Traumatherapie.
Nicht weil alles geheilt ist.
Sondern weil ich gelernt habe, mit der Wahrheit zu leben.
Die Diagnose lautet inzwischen:
Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung.
Der Weg ist nicht zu Ende.
Mit guten Seelsorgern, Freunden und Wegbegleitern an meiner Seite gehe ich weiter.
Und wenn weitere Antworten kommen – auch durch das DNA-Ergebnis – werde ich mir weiterhin Unterstützung holen.
Heute weiß ich:
Heilung bedeutet nicht immer, gesund zu werden.
Manchmal bedeutet Heilung, die Wahrheit anzunehmen und trotzdem weiterzugehen.
Deshalb heißt mein Lebensmotto weiterhin:
✨ Mit Jesus Christus mutig voran. ✨
Danke an alle, die mich auf diesem Weg begleitet haben und weiterhin begleiten.
Maria Weisse


