Darf ich mich schön finden?


Gerade beim Laufen begegnete mir diese Kuh.

Sie hatte sich so wunderbar positioniert, dass ich einfach ein Foto machen musste.


Und während ich sie anschaute, kam mir ein Gedanke:
Wie ist das eigentlich mit uns Menschen?


Kinder lassen sich häufig noch ganz selbstverständlich fotografieren.

Sie ziehen Grimassen, lachen, posieren und denken nicht lange darüber nach, ob sie auf dem Foto „gut genug“ aussehen.


Doch irgendwann verändert sich etwas.
Wir hören Sätze wie:
„Du bist nicht schön genug.“
„Du bist zu dick.“
„Du bist zu dünn.“
„Deine Nase ist zu groß.“
„Deine Falten sieht man.“
„Sei nicht so eitel.“
„Sei bloß nicht stolz auf dich.“


Und irgendwann brauchen andere diese Sätze gar nicht mehr zu sagen.
Wir haben sie selbst übernommen.
Wir schauen ein Foto von uns an und suchen zuerst nach dem, was uns nicht gefällt.
Wir vergleichen uns.
Wir löschen Bilder, weil wir vermeintlich nicht gut genug darauf aussehen.


Aber warum eigentlich?
Mein Körper erzählt meine Geschichte.
Falten erzählen davon, dass ich gelebt habe.
Lachfalten davon, dass ich gelacht habe.
Narben davon, dass etwas heilen durfte.
Und Veränderungen gehören zu einem Leben, das eben nicht stehen bleibt.
Vielleicht dürfen wir wieder etwas von dieser kindlichen Selbstverständlichkeit lernen:
Hier bin ich.
So sehe ich aus.
Das bin ich.
Ich muss mich nicht schöner machen, um wertvoll zu sein.
Und ich darf sogar in den Spiegel oder auf ein Foto schauen und sagen:
„Ja, ich gefalle mir.“
Das ist keine Überheblichkeit.


Selbstannahme bedeutet nicht, mich für besser als andere zu halten.
Es bedeutet,

mich selbst nicht länger kleiner zu machen.
Vielleicht sollten wir deshalb wieder öfter Fotos von uns machen – nicht für Likes und nicht, um jemandem etwas zu beweisen.


Sondern als kleine Erinnerung:
Ich darf sichtbar sein.
Ich darf mich mögen.
Ich darf mich schön finden.
Und ich bin wertvoll – genauso wie der Mensch neben mir.


Maria Weisse

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