Katzenliebe – warum nach so vielen Jahren kleine Katzen bei mir einzogen


Seit ich denken kann, hatte ich eine besondere Beziehung zu Katzen.


Die erste Katze, an die ich mich ganz bewusst erinnern kann, wohnte gegenüber von uns. Sie saß oft vor der Tür – morgens, wenn ich zur Schule ging, und später, wenn ich wieder nach Hause kam.
Sie ließ sich von mir streicheln und blieb bei mir. Sobald andere Menschen kamen, war sie meistens verschwunden.
Ich mochte sie sehr.
Dann geschah etwas, das ich bis heute nicht vergessen habe. Sie jagte einer Maus hinterher, lief auf die Straße und wurde direkt vor meinen Augen überfahren.
Ich war unglaublich traurig.
Doch statt dass meine Trauer verstanden wurde, bekam ich zu hören:
„Stell dich nicht so an. Es war doch nur ein Vieh.“
Dieser Satz traf mich zusätzlich.
Denn für mich war sie nicht „nur ein Vieh“. Sie war ein Lebewesen, das ich liebgewonnen hatte.


Wenn Trauer ernst genommen wird
Später zogen wir um. Auch dort spielten Tiere wieder eine Rolle in meinem Leben.
Eine liebe Nachbarin in meinem Alter hatte eine Katze und einen Hamster. Wir verbrachten viel Zeit miteinander, tauschten Bücher aus und ich durfte sie immer wieder besuchen.
Eines Tages schlüpfte ihr Hamster beim Holzmachen irgendwo hinein. Wir suchten lange nach ihm. Als wir ihn schließlich fanden, war er leider schon tot.
Wir weinten beide.
Doch diesmal erlebte ich etwas ganz anderes.
Ihr Vater nahm unsere Trauer ernst.
Wir legten den kleinen Hamster in einen Schuhkarton, begruben ihn und stellten gemeinsam ein kleines Holzkreuz auf.


Diese beiden Erlebnisse sind mir bis heute in Erinnerung geblieben.


Beim ersten Mal hieß es:
„Es war doch nur ein Vieh.“


Beim zweiten Mal durfte ich traurig sein.
Vielleicht war es „nur“ das Grab eines kleinen Hamsters. Aber für zwei traurige Kinder war es wichtig.


Katzen begleiteten mich trotzdem weiter
Egal, wo ich später wohnte – immer wieder begegneten mir Katzen.
Und irgendwie kamen sie häufig zu mir.
Mein Wunsch nach eigenen Katzen blieb deshalb über viele Jahre bestehen.
Gleichzeitig gab es aber auch eine andere Seite:
Ich hatte Angst.
Nicht vor Katzen.
Ich hatte Angst davor, ein Tier so sehr ins Herz zu schließen und es irgendwann wieder verlieren zu müssen.
Also blieb es lange bei meinem Wunsch.


Und dann machten mir meine Söhne Mut
Vor einigen Wochen sprachen wir wieder über Katzen. Meine Söhne machten mir Mut, mich doch einmal genauer zu informieren.
Also fing ich an, Fragen zu stellen und mich mit dem Gedanken an eigene Katzen ernsthaft auseinanderzusetzen.
Und dann ging plötzlich alles ziemlich schnell.


Ich verliebte mich nicht nur in ein kleines Kätzchen – sondern gleich in zwei.


Samira und Salome.


Und von diesem Moment an fühlte es sich für mich fast ein bisschen an wie früher bei meinen Schwangerschaften.
Die Vorfreude war da.
Was brauchen die Kleinen?
Welches Futter?
Katzenklo, Kratzmöglichkeiten, Spielzeug, Schlafplätze …
Ich kaufte die Erstausstattung und wartete voller Vorfreude auf ihren Einzug.


Jetzt sind sie da
Seit wenigen Tagen wohnen Samira und Salome nun bei uns.


Und was soll ich sagen?
Unser Zuhause ist nicht mehr dasselbe.
Die beiden erkunden jeden Winkel, entdecken Verstecke, auf die wir niemals gekommen wären, jagen durch die Wohnung und erklären Dinge zu Spielzeug, die ganz bestimmt nicht dafür vorgesehen waren.


Und ich?
Ich freue mich einfach, dass sie da sind.
Natürlich weiß ich, dass zu jeder Liebe auch das Risiko gehört, irgendwann Abschied nehmen zu müssen.


Aber mir ist etwas bewusst geworden:
Wenn ich aus Angst vor einem möglichen Verlust keine Liebe zulasse, schütze ich mich vielleicht vor einem zukünftigen Schmerz – aber gleichzeitig verpasse ich all das Schöne, das vorher geschehen könnte.
Das möchte ich nicht mehr.


Ich möchte Samira und Salome kennenlernen.
Mit ihnen spielen.
Über ihren Unsinn lachen.
Mich über ihre Fortschritte freuen.
Und unsere gemeinsame Zeit genießen.
Was irgendwann einmal sein wird, weiß ich nicht.
Aber irgendwann ist nicht heute.
Heute sind Samira und Salome da.
Heute ist nicht irgendwann.
Heute beginnt unsere gemeinsame Zeit.


Herzliche Grüße
Maria Weisse

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