Verletzungen – was mache ich daraus?


Verletzungen – was mache ich daraus?


Heute ist mir etwas bewusst geworden.
Früher habe ich nach Verletzungen oft versucht, unbedingt eine Aussprache oder eine Entschuldigung zu bekommen. Ich habe den Fehler zuerst bei mir gesucht und manchmal sogar gelacht, obwohl es mir innerlich sehr wehgetan hat.
Und ich habe noch etwas gemacht: Wenn mich einzelne Menschen innerhalb einer Gemeinschaft verletzt hatten, habe ich manchmal die ganze Gemeinschaft verurteilt.


Heute sehe ich vieles differenzierter.
Wir sind Menschen.
Jeder von uns hat schon einmal einen anderen Menschen verletzt – bewusst oder unbewusst. Und wahrscheinlich kennt jeder das Gefühl, selbst verletzt worden zu sein.
Entscheidend ist für mich heute die Frage:
Was mache ich daraus?


Ich darf ehrlich sein.
Wenn ich jemanden verletzt habe, darf ich Verantwortung übernehmen und mich entschuldigen. Wenn ich verletzt wurde, darf ich sagen: „Das hat mir wehgetan.“


Schmerz braucht keine Rechtfertigung.
Wenn etwas wehgetan hat, dann hat es wehgetan. Ich muss meine Gefühle nicht kleinreden, nur weil ein anderer sagt: „So war das doch gar nicht gemeint.“


Ich darf unterscheiden.
Das Verhalten einzelner Menschen steht nicht automatisch für eine ganze Familie, Kirche, Gemeinde, einen Verein oder eine andere Gemeinschaft.


Jeder Mensch darf seinen eigenen Platz finden.
Was für mich nicht passend oder sogar belastend ist, kann für einen anderen Menschen ein Ort sein, an dem er sich wohl und zugehörig fühlt. Das darf ich respektieren.


Mobbing ist keine Kleinigkeit.
Wenn wir mitbekommen, dass jemand ausgegrenzt, gedemütigt oder systematisch verletzt wird, sollten wir nicht wegschauen. Wir können Betroffenen beistehen und – je nach Situation – Verantwortliche informieren, damit das Verhalten gestoppt wird.


Manche Verletzungen hinterlassen tiefe Spuren.
Nicht alles lässt sich mit einem Gespräch lösen. Wenn Erlebtes das weitere Leben stark beeinflusst, darf professionelle Unterstützung ein wichtiger Weg sein.


Vergebung bedeutet nicht, so zu tun, als wäre nichts passiert.
Ich darf vergeben und trotzdem Grenzen setzen. Ich darf mich versöhnen, wenn beide Seiten dazu bereit sind – aber ich kann Versöhnung nicht erzwingen.


Nicht jede Entschuldigung werde ich bekommen.
Das war für mich eine wichtige Erkenntnis. Mein innerer Frieden darf nicht davon abhängig sein, ob ein anderer sein Verhalten irgendwann einsieht.


Und vielleicht ist genau das ein Stück Freiheit:
Ich übernehme Verantwortung für meine Fehler – aber nicht die Verantwortung für die Fehler anderer.


Ich darf aus Verletzungen lernen, Grenzen setzen und trotzdem darauf achten, dass mein eigenes Herz nicht hart wird.


Maria Weisse


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