Mein Glaubenslauf- viele Wege, viele Fragen und Jesus ist geblieben.


Mein Glaubensweg hat mich durch viele verschiedene Stationen geführt.

Es gab schöne Begegnungen und wertvolle Erfahrungen, aber auch Enttäuschungen, Ängste und viele Fragen.


Heute kann ich rückblickend sagen:
Vieles hat sich verändert. Viele Wege bin ich gegangen. Aber Jesus ist geblieben.


Meine ersten Erfahrungen mit dem Glauben
Durch meine Familie wuchs ich in der Neuapostolischen Kirche auf. In meinen ersten Lebensjahren kannte ich nichts anderes.
Es gab dort Dinge, die ich sehr mochte. Besonders die Kinderlieder haben sich tief in mein Gedächtnis eingeprägt. Viele davon kann ich bis heute auswendig. Musik war lange etwas, das mich mit dieser Kirche verband.
Doch bereits als Kind machte ich auch Erfahrungen, die mich verunsicherten.
Ich stellte im Kindergottesdienst Fragen und erlebte, dass diese nicht erwünscht waren. Mir wurde vermittelt, dass Fragen und Zweifel etwas Gefährliches seien und Konsequenzen haben könnten.
So lernte ich früh, meine Zweifel eher zu unterdrücken als sie auszusprechen.


Gleichzeitig durfte ich durch Nachbarn eine ganz andere Seite von Kirche kennenlernen. Während der Sommerferien nahmen sie mich zu einem Kinderprogramm mit.
Dort durfte ich malen, basteln, lachen, tanzen und fröhliche Lieder singen.
Das war für mich etwas völlig Neues:
Glaube durfte Freude machen.


Die ersten großen Fragen


Als Jugendliche begann ich immer stärker zu hinterfragen, was ich gelernt hatte.
Wenn ich Menschen vor einer evangelischen Kirche stehen, miteinander reden und lachen sah, faszinierte mich diese scheinbare Freiheit.
Nach meiner Konfirmation versuchte ich zunächst trotzdem, alles besonders richtig zu machen. Ich sang im Chor und beschäftigte mich intensiv mit den Gottesdiensten.
Über meinen Radiowecker hörte ich sonntags zusätzlich evangelische Gottesdienste. Manche Predigten berührten mich sehr.


Durch eine Schulkameradin begann ich schließlich selbst in der Bibel zu lesen.
Und damit kamen noch mehr Fragen.
Ich wollte verstehen, was dort stand. Doch mit meinem Wunsch nach Erklärungen fühlte ich mich damals nicht ernst genommen.


Mit ungefähr 20 Jahren suchte ich deshalb auch außerhalb des christlichen Glaubens nach Antworten und beschäftigte mich unter anderem mit Astrologie und Numerologie.
Doch auch dort fand ich nicht das, wonach ich eigentlich suchte.


Die Angst vor dem Verlassen
Ich ging schließlich wieder zurück in meine bisherige Kirche.
Ein wichtiger Grund dafür war Angst.
Ich hatte große Angst, dass ich verloren sein könnte, wenn ich diese Gemeinschaft verlasse.


2006 kam ich erstmals in eine psychiatrische Klinik. Dort begegneten mir Menschen, die mit mir über Gott und die Bibel sprachen – aber auf eine Art, die ich bis dahin kaum kannte.
Ohne Drohungen.
Ohne Druck.
Sie hörten zu, erklärten und beteten mit mir.


Nach diesem Aufenthalt besuchte ich gemeinsam mit einer Mitpatientin eine Baptistengemeinde.
Zunächst fühlte ich mich dort sehr wohl. Irgendwann wurden mir jedoch die Erwartungen und Verpflichtungen zu viel. Ich hatte damals drei kleine Söhne und war gesundheitlich belastet.
Also kehrte ich noch einmal in die Neuapostolische Kirche zurück.
Doch das Gefühl, dass dieser Ort nicht mehr meine geistliche Heimat war, blieb.


2015 – ein entscheidender Schritt


Während eines weiteren Klinikaufenthalts im Jahr 2015 bekam ich fachliche Unterstützung und schaffte schließlich den Austritt aus der Neuapostolischen Kirche.
Danach trat ich in die evangelische Landeskirche ein.
Auch dort merkte ich jedoch, dass ich zunächst mit vielem überfordert war.


Später kam ich zur Süddeutschen Gemeinschaft. Dort taten mir besonders die Predigten und die Musik gut.
Gleichzeitig machte ich auch schwierige persönliche Erfahrungen – insbesondere dann, wenn ich Erwartungen nicht erfüllen konnte, gesundheitlich eingeschränkt war oder meinen eigenen Weg ging.


Meine bewusste Taufe
2020 traf ich eine für mich sehr wichtige Entscheidung:
Ich ließ mich bewusst taufen.
Meine Taufe erfolgte durch Besprengung. Eine Ganzkörpertaufe war aufgrund meiner persönlichen Vorgeschichte für mich nicht möglich.
Für mich war diese Taufe dennoch eine ganz bewusste Entscheidung und ein persönliches Bekenntnis:
Ich gehöre zu Jesus Christus.


Weitere Stationen meiner Suche


2021 lernte ich die Methodisten kennen. Dort begegneten mir viele liebe Menschen. Gleichzeitig merkte ich, dass mir das aktive Gemeindeleben auf Dauer zu viel wurde.
Also nahm ich mir eine Kirchenpause.


Während dieser Zeit beschäftigte ich mich auch mit dem Buddhismus.
Dabei lernte ich Dinge, die mir bis heute guttun: zur Ruhe zu kommen, achtsamer zu werden und Stille auszuhalten.


Als Glaubensweg war es jedoch nicht das, wonach ich suchte.


Später verbrachte ich etwas mehr als ein Jahr in einer Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten.
Auch dort habe ich Wertvolles kennengelernt.
Besonders den Gedanken eines regelmäßigen Ruhetages möchte ich in meinem Leben behalten. Der Sabbat ist für mich zu einer bewussten Zeit der Ruhe geworden – Zeit für Gott und mich.


Doch bei anderen Glaubenslehren und Erwartungen merkte ich zunehmend:
Für mich passt es nicht vollständig.
Eine weitere Taufe und die Mitgliedsaufnahme waren bereits geplant.
Dieses Mal tat ich jedoch etwas, was mir früher unglaublich schwergefallen wäre:
Ich unterdrückte meine Zweifel nicht.
Ich stellte Fragen.
Ich prüfte.
Ich nahm mir Zeit.
Und schließlich sagte ich:
Nein. Noch nicht.


Und heute?
Meine Glaubensreise geht weiter.


Ich weiß heute noch nicht, wo meine endgültige geistliche Heimat sein wird.
Vielleicht finde ich eine Gemeinde, in der ich langfristig ankommen kann.
Vielleicht wird mein Weg ganz anders aussehen, als ich es mir früher vorgestellt habe.


Aber eines weiß ich:


Jesus ist geblieben.
Ich habe unterschiedliche Kirchen und Glaubensrichtungen kennengelernt.
Ich habe Schönes erlebt.
Ich wurde enttäuscht.
Ich habe geglaubt und gezweifelt.
Ich bin gegangen und wieder neu aufgebrochen.


Und für mich persönlich bin ich zu der Überzeugung gekommen:
Jesus Christus ist mein Weg und meine Wahrheit.


Religion und Glaubensgemeinschaften sind für mich deshalb nicht grundsätzlich etwas Schlechtes.
Kirchen können Heimat geben. Gemeinschaft kann tragen. Menschen können sich gegenseitig im Glauben stärken.
Aber ich glaube heute nicht mehr, dass eine einzelne Glaubensgemeinschaft das Recht hat, anderen Menschen grundsätzlich abzusprechen, ebenfalls zu Gott zu gehören.


Wir Menschen sind verschieden.
Was für einen Menschen die richtige geistliche Heimat ist, muss nicht automatisch für einen anderen passen.
Manche finden ihren Platz schnell.
Andere suchen lange.
Manche wechseln ihre Gemeinde.
Manche brauchen eine Pause.
Und manche haben vielleicht nach schwierigen Erfahrungen zunächst überhaupt keine Kraft mehr für eine Glaubensgemeinschaft.


Was ich dir mitgeben möchte
Wenn du selbst gerade auf der Suche bist, Zweifel hast oder nicht weißt, wo du hingehörst:
Du darfst Fragen stellen.
Du darfst prüfen.
Du darfst dir Zeit nehmen.
Du darfst deinen eigenen Glaubensweg gehen.
Und du musst nicht genauso glauben oder deinen Glauben genauso leben wie ein anderer Mensch.


Für mich hat sich auf meinem langen Weg eines nicht verändert:
Ich bin geliebt.
Und diese Liebe erkenne ich für mich ganz besonders in Jesus Christus und darin, dass er für uns ans Kreuz gegangen ist.
Deshalb möchte ich dir einen Satz mitgeben, der mich selbst begleitet:
Gib alles – nur nicht auf.


Maria Tabitha Weisse

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