Grenzen


Grenzen


Heute musste ich mein Sportprogramm wieder einmal abbrechen.
Früher hätte ich weitergemacht.
Zähne zusammengebissen.
Mich selbst übergangen.


Doch dabei wurde mir etwas bewusst:
Ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, in dem meine Grenzen kaum respektiert wurden.
Ich durfte oft nicht Nein sagen.
Meine Bedürfnisse hatten wenig Raum.
Andere entschieden über mich hinweg.


Irgendwann lernte ich deshalb auch selbst nicht mehr, auf meine Grenzen zu achten.


Das hatte Folgen:
• Aus Angst, die Kontrolle zu verlieren, entwickelte ich eine Magersucht.
• Aus Angst, nicht geliebt zu werden, ließ ich Grenzüberschreitungen zu.
• Aus Angst vor dem Alleinsein blieb ich in ungesunden Beziehungen.
• Aus Angst, vom Staat abhängig zu werden, arbeitete ich weit über meine Kräfte hinaus.
• Aus Angst vor Strafe sagte ich Ja, obwohl ich Nein meinte.
• Aus dem Wunsch nach Perfektion entwickelte ich Verhaltensweisen, die mich zusätzlich belasteten.
Irgendwann konnten Körper, Seele und Geist nicht mehr mithalten.


Heute lerne ich etwas Neues:
– Ich darf meine Meinung ändern.
– Ich darf eine Zusage überdenken.
– Ich darf Nein sagen.
– Ich darf Pausen machen.
– Ich darf Hilfe annehmen.
– Ich darf mich zurückziehen, wenn Situationen mich überfordern.
– Ich darf auf die Signale meines Körpers hören.
Lange dachte ich, Grenzen seien egoistisch.


Heute weiß ich:
Gesunde Grenzen schützen das, was Gott mir anvertraut hat – mein Leben, meine Gesundheit und meine Würde.


Auch Jesus setzte gesunde Grenzen.


Er zog sich immer wieder zurück, um zu beten.
Er heilte nicht jeden Menschen gleichzeitig.
Er ließ sich nicht von Erwartungen und Druck bestimmen.
Er liebte die Menschen – und sagte trotzdem nicht zu allem Ja.
Jesus zeigt mir:
Liebe bedeutet nicht Selbstaufgabe.
Liebe und Wahrheit gehören zusammen.
Grenzen bedeuten nicht, dass ich Menschen weniger liebe.
Grenzen bedeuten, dass ich lerne, auch mich selbst mit Respekt zu behandeln.


Und genau das übe ich – Schritt für Schritt.
Maria Weisse

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