Heute möchte ich mit euch ein paar Gedanken zum Thema Glauben teilen.
Genauer gesagt möchte ich euch ein Stück von meinem persönlichen Glaubensweg erzählen und davon, warum ich mich heute ganz bewusst für Jesus und den christlichen Glauben entschieden habe.
Bevor ich beginne, ist mir etwas sehr wichtig:
Glaube ist etwas sehr Persönliches.
Jeder Mensch darf seinen Glauben anders leben und auch zu anderen Überzeugungen kommen.
Mit diesem Beitrag möchte ich niemanden bekehren oder belehren.
Ich möchte niemanden angreifen, verletzen oder bloßstellen.
Ich erzähle ausschließlich von meinen persönlichen Erfahrungen und Empfindungen.
Denn ich persönlich tue mich schwer damit, wenn Menschen behaupten, nur sie hätten die Wahrheit und alle anderen lägen falsch.
Mein Weg beginnt
Vielleicht muss ich zunächst etwas über meine Persönlichkeit erzählen.
Ich bin ein Mensch, der Dinge hinterfragt.
Ich kann etwas nicht einfach deshalb glauben, weil mir jemand sagt, dass es so ist.
Das war schon als Kind so – und das kam nicht immer gut an.
Aufgewachsen bin ich in der Neuapostolischen Kirche.
Ich erlebte meine Kindheit dort als eine Zeit, in der vieles sehr streng war. Ich verstand es damals so, dass wir durch die lebenden Apostel zum Erlösungswerk Gottes gehörten.
Schon als Kind und Jugendliche geriet ich dadurch immer wieder in einen inneren Zwiespalt.
Denn manches fühlte sich für mich nicht richtig an.
Gleichzeitig fragte ich mich:
Warum empfinde ich so?
Stimmt vielleicht etwas mit mir nicht?
Meine Suche
In meiner Jugend begann ich, nach einem Sinn für mein Leben zu suchen.
Dabei beschäftigte ich mich eine Zeit lang auch mit Astrologie und Numerologie.
Die Natur und die großen Fragen des Lebens haben mich schon immer fasziniert.
Aber irgendwann merkte ich, dass vieles von dem, was ich dort las, für mich nicht stimmig war.
Ein Bekannter beschäftigte sich intensiv mit Tarotkarten. Auch damit kam ich in Berührung, aber ich merkte schnell:
Das ist nicht mein Weg.
Die Suche ging weiter.
Eine Bibel im Krankenhaus
2006 kam eine große Glaubens- und Lebenskrise.
Während eines längeren Aufenthalts in einer psychiatrischen Klinik begann ich zum ersten Mal, intensiver in der Bibel zu lesen.
Dabei passierte etwas, das mich sehr berührte.
Ich entdeckte Gedanken, bei denen ich plötzlich dachte:
Das entspricht dem, was ich tief in mir empfinde.
Meine damalige Zimmernachbarin besuchte eine Baptistengemeinde und nahm mich einmal mit.
Dort erlebte ich Menschen, die sehr freundlich mit mir umgingen, und eine Predigt, die mich tief berührte.
Gleichzeitig bekam ich große Angst.
In mir kamen Gedanken auf wie:
Was ist, wenn Jesus wiederkommt und ich nicht dabei bin?
Was ist, wenn ich doch in die Neuapostolische Kirche zurückmuss?
Die Angst wurde so stark, dass ich schließlich zurückging.
Die Panik verschwand.
Aber das ungute Gefühl kam wieder.
2015 – ein Wendepunkt
2015 kam eine weitere schwere Lebenskrise.
Nach zwei großen Operationen und weiteren gesundheitlichen Belastungen kam ich unter anderem in eine Tagesklinik.
Dort begegnete ich einer Ärztin, mit der ich mich intensiv mit dem Thema Religion und Kirche auseinandersetzen konnte.
In dieser Zeit begann sich mein Gottesbild grundlegend zu verändern.
Ich lernte langsam:
Gott muss für mich kein ferner, unnahbarer und strafender Gott sein.
Ich begann, ihn als einen liebevollen Vater zu verstehen.
Nach diesem Aufenthalt trat ich aus der Neuapostolischen Kirche aus.
Das war für mich kein leichter Schritt.
Ich erlebte danach Distanz und bekam auf unterschiedliche Weise vermittelt, dass meine Entscheidung falsch sei und ich das Erlösungswerk verlassen hätte.
Aber für mich begann damit gleichzeitig etwas Neues:
Ich durfte meinen eigenen Glaubensweg suchen.
Viele Stationen auf meinem Weg
Dieser Weg war alles andere als gerade.
Ich schaute mir verschiedene Kirchen, Gemeinden und Glaubensrichtungen an.
Ich beschäftigte mich zunächst mit der katholischen Kirche und merkte, dass ich dort nicht zu Hause bin.
Später kam ich zur evangelischen Landeskirche. Die dort erlebte Freiheit war für mich zunächst ungewohnt und teilweise sogar überfordernd. Deshalb zog es mich zeitweise wieder zu engeren Gemeinschaften.
Es gab auch eine Phase, in der ich mich mit dem Buddhismus beschäftigte.
Und es gab Zeiten, in denen ich mich grundsätzlich fragte:
Brauche ich überhaupt eine Kirche?
Heute sehe ich diese vielen Stationen nicht einfach als zielloses Hin und Her.
Ich war auf der Suche.
Ich wollte herausfinden:
Was glaube ich eigentlich?
Was trägt mich?
Und was glaube ich nur deshalb, weil andere Menschen es mir gesagt haben?
Wo stehe ich heute?
Heute weiß ich:
Ja, ich wünsche mir eine Kirche und Gemeinschaft.
Aber ich weiß inzwischen auch besser, was ich brauche.
Ich wünsche mir eine Gemeinde, in der die Bibel eine wichtige Grundlage ist. Eine Gemeinde mit Liedern und Predigten, die aufbauen und ermutigen.
Ich brauche keine zusätzlichen Lehren, die ich übernehmen muss, um dazugehören zu dürfen.
Ich wünsche mir keine starren Regeln und keinen Glauben, der hauptsächlich durch Angst oder Druck bestimmt wird.
Ich möchte dazugehören dürfen, ohne mich ständig verbiegen zu müssen.
Gemeinschaft ist für mich nicht immer einfach.
Aufgrund meiner persönlichen Einschränkungen können größere Gruppen und viele Eindrücke für mich schnell zu viel werden.
Deshalb suche ich auch hier meinen eigenen Weg.
Vielleicht bedeutet Gemeinschaft für mich manchmal etwas anderes als für andere Menschen.
Und das darf so sein.
Denn das Wichtigste ist für mich heute nicht die Frage:
Zu welcher Kirche gehöre ich?
Sondern:
Lebe ich im Einklang mit Jesus?
Warum Jesus?
Warum habe ich mich trotz meiner langen Suche letztendlich für Jesus und den christlichen Glauben entschieden?
Ein Grund ist für mich die Bibel.
Ich finde es faszinierend, dass sie aus so unterschiedlichen Büchern besteht, die in ganz verschiedenen Zeiten entstanden sind – und ich darin trotzdem einen roten Faden entdecke.
Aber noch wichtiger ist für mich Jesus selbst.
Wenn ich von Jesus lese, begegnet mir etwas, wonach ich lange gesucht habe:
Liebe.
Eine Liebe, die nicht erst verlangt, dass ich perfekt werde.
Jesus bedeutet für mich:
Vergebung.
Frieden.
Hoffnung.
Orientierung.
Und die Gewissheit, nicht allein unterwegs zu sein.
Mein Glaube gibt mir außerdem eine Hoffnung, die für mich sogar über dieses Leben und den Tod hinausgeht.
Ich habe heute nicht auf jede Glaubensfrage eine Antwort.
Ich zweifle auch manchmal.
Ich hinterfrage.
Ich suche weiter.
Aber vielleicht muss Glaube für mich auch gar nicht bedeuten, auf alles eine fertige Antwort zu haben.
Heute bedeutet Glauben für mich vor allem:
Jesus zu vertrauen und mit ihm meinen Weg zu gehen.
Mutig voran
Manchmal mutig.
Manchmal zweifelnd.
Manchmal nur mit einem ganz kleinen Schritt.
Aber immer wieder neu.
Vielleicht passt deshalb mein erstes eigenes Lied so gut zu meinem Glaubensweg:
„Mit Jesus Christus mutig voran.“
Nicht, weil ich immer mutig bin.
Sondern weil ich darauf vertraue, dass ich den Weg nicht alleine gehen muss.
Das sind meine ganz persönlichen Gedanken zum Glauben.
Vielleicht glaubst du ganz anders.
Vielleicht bist du selbst noch auf der Suche.
Vielleicht zweifelst du.
Oder vielleicht hast du deinen Platz längst gefunden.
Wo auch immer du gerade stehst:
Ich wünsche dir, dass du deinen Weg nicht aus Angst oder Druck gehst, sondern dass du herausfinden darfst, was dich wirklich trägt.
Ich selbst möchte meinen Weg weitergehen – nicht perfekt, nicht immer ohne Zweifel und manchmal nur mit einem ganz kleinen Schritt.
Aber mutig voran.
Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, meine Gedanken zu lesen.
Maria Weisse



