Nach außen- und innen


Nach außen – und innen


Manchmal liegen Welten zwischen dem, was andere von einem Menschen sehen, und dem, was in diesem Menschen tatsächlich geschieht.


Nach außen hin lächle ich.
Ich gehe spazieren.
Ich treffe Menschen.
Ich schreibe meine Gedanken auf.
Ich male.
Ich spiele Klavier.
Ich mache Pläne und probiere Neues aus.
Ich versuche, ruhig zu bleiben und mein Leben trotz allem zu gestalten.
Wer mich so erlebt oder vielleicht nur ein Foto von mir sieht, könnte denken:
„Ihr geht es doch gut.“
Und ja – in diesen Augenblicken kann es mir tatsächlich gut gehen. Ich kann mich freuen, lachen und dankbar sein.
Aber das ist eben nur die eine Seite.


Was man nicht sieht
Innen gibt es auch eine andere Wirklichkeit.
Da gibt es Momente, in denen ich am liebsten schreien würde, weil Schmerzen so viel Kraft kosten.
Momente, in denen ich weine, weil ich gerne wieder arbeiten und vieles tun würde, was für andere selbstverständlich ist.
Ich trauere um Dinge, die nicht mehr möglich sind.
Und manchmal trauere ich auch darüber, wie sich der Umgang mancher Menschen mit mir verändert hat, als ich nicht mehr so „funktionieren“ konnte wie früher.
Es kostet Kraft, sich immer wieder erklären zu müssen.
Es kostet Kraft, wenn aus Kleinigkeiten große Konflikte entstehen.
Und manchmal wünsche ich mir deshalb gar keine Lösung.
Keinen gut gemeinten Ratschlag.
Keine Kritik.
Keine neue Forderung.


Sondern einfach einen Menschen, der da ist und sagt:
„Ich sehe dich. Du musst gerade nichts leisten.“


Ein Lächeln erzählt nicht die ganze Geschichte.


Ich schreibe diese Gedanken nicht, weil ich bemitleidet werden möchte.
Mir geht es um etwas anderes:


Wir sehen von anderen Menschen immer nur einen Ausschnitt.
Ein Lächeln bedeutet nicht, dass jemand keine Schmerzen kennt.
Ein schöner Ausflug bedeutet nicht, dass danach keine Erschöpfung folgt.
Ein Mensch, der ruhig wirkt, kann innerlich gerade einen großen Kampf führen.
Und ein Mensch, der weiterhin viel macht, kann gleichzeitig um all das trauern, was nicht mehr möglich ist.
Umgekehrt bedeutet eine Erkrankung aber auch nicht, dass es keine Freude mehr geben darf.
Beides kann gleichzeitig wahr sein:
Ich kann lachen und traurig sein.
Ich kann dankbar sein und trotzdem etwas vermissen.
Ich kann Hoffnung haben und gleichzeitig erschöpft sein.
Ich kann mein Leben lieben und mir trotzdem wünschen, manches wäre anders.


Vielleicht sollten wir öfter fragen.


Deshalb wünsche ich mir für unser Miteinander, dass wir weniger schnell urteilen.
Dass wir nicht denken:
„Du siehst doch gut aus.“
„Du kannst doch so viel machen.“
„Dann kann es dir doch gar nicht so schlecht gehen.“


Vielleicht fragen wir stattdessen einfach:
„Wie geht es dir wirklich?“


Und wenn ein Mensch den Mut hat, darauf ehrlich zu antworten, müssen wir nicht sofort eine Lösung präsentieren.
Wir müssen nicht alles reparieren.
Manchmal reicht es, zuzuhören.
Manchmal reicht es, einen Menschen ernst zu nehmen.
Und manchmal ist ein schlichtes
„Ich bin da.“
viel wertvoller als jeder Ratschlag.
Denn manches, was ein Mensch trägt, können wir von außen nicht sehen. ❤️


Maria Weisse

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